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Herbstbericht und Weinjahr 2011


Sehr geehrte Weinfreunde,

Der vergangene Dezember war kalt und ungewöhnlich schneereich. Das Jahr begann dann überdurchschnittlich mild, der März wurde zu einem richtigen Frühlingsmonat und im April war es fast schon frühsommerlich. Daher folgte der frühe Austrieb beim Riesling schon am 14. April. Es gab Sonnenscheinstunden im Überfluss, aber das trockenste Frühjahr seit 1893. Statt der zu erwartenden Regenmenge von 119 mm fielen nur 44 mm Regen. Dieses große Defizit wirkte sich auf leichten Böden negativ auf das Wachstum und die Blüte aus.

Anfang Mai kam es zu größeren Frostschäden, die lagenweise bis zu einem totalen Ernteausfall führten. Im Gegensatz zu anderen Gebieten kam der Rheingau noch glimpflich davon. Glücklicherweise waren unsere Lagen nicht betroffen.

Die Rebentwicklung machte rasante Fortschritte, am 26. Mai wurde der Blühbeginn beim Riesling registriert. Dieser lag weit vor dem 30-jährigen Mittel (14.06.).

Ende Mai kam der Wetterumschwung mit einem nassen Juni. Auch der August wurde deutlich zu nass. Trotzdem war der Sommer doch wärmer als im Durchschnitt, so dass die Rebentwicklung zügig weiterging: Am 30. Juli wurde der früheste nachweisbare Reifebeginn festgestellt.

Leider wirkte sich die feucht-warme Witterung negativ auf die weitere Reifeentwicklung aus, Fäulnis breitete sich aus. Daher wurde im Anbaugebiet schon am 14.09. mit der Rieslinglese begonnen.

Ab dem 20. September blieb es trocken und es setzte ein herrlicher Altweibersommer ein. Sonne und Wärme trockneten die Fäulnisnester aus, und es setzte ein Konzentrationsprozess in den Beeren ein. In der Folge gingen die Anfangs hohen Erträge von Tag zu Tag zurück.

Wir begannen mit der Rieslinglese am 21. September, die Ernte dauerte bis zum 06. Oktober. Mit Blick auf Reife und Aroma hat sich das Abwarten gelohnt. So konnten wir vollreife Trauben im Bereich von 90° bis 110° Oechsle ernten.

In der Spitze wurden wir zum Ende der Lese mit einer Beerenauslese mit 145°Oe und einer Trockenbeerenauslese mit 207°Oe belohnt. Qualitativ und quantitativ können diese Qualitäten noch in Jahrzehnten genossen werden.

Quantitativ ist unsere Ernte bedingt durch Negativauslese und warten auf reifes Lesegut unterdurchschnittlich ausgefallen., im ganzen Anbaugebiet wird eine leicht über- durchschnittliche Ernte geschätzt.

Ihr Tilbert Nägler



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